Energie aus Biomasse – Fluch und Segen zugleich

Biomasse ist seit jeher ein Energieträger, der entscheidend für die Entwicklung der Menschheit gewesen ist. Anfangs noch als Brennmaterial in Form von Holz oder Tierdung genutzt erweiterte sich deren Einsatzspektrum mit zunehmender Technisierung auch auf andere Bereiche wie beispielsweise dem der Verwendung als Antriebsenergie (Holzgas, Biobenzin).

Auch heute deckt Biomasse über 10% des weltweiten Energieverbrauches ab. Geht man von der Weltbevölkerung aus, dann leben heute etwa 30% aller Menschen unmittelbar in Abhängigkeit von Holz, Kohle oder Dung.

Auch in Deutschland gelangt Biomasse als Energieträger immer mehr in den Focus der Betrachtung bei der Umsetzung des Atomausstiegs bis 2022. Dazu besteht eigens eine Institution, das Deutsche BiomassenForschungsZentrum (DBFZ). Das Institut sucht nach Verfahren, […] die eine effiziente und nachhaltige Nutzung von festen, flüssigen und gasförmigen Bioenergieträgern ermöglichen. Hierfür werden zum Beispiel Potenzialanalysen, Machbarkeitsstudien und praktische Versuche in den Laboren des Forschungszentrums durchgeführt. […].

Von der Verteilung her nimmt Biomasse als Energieträger in Deutschland heute rund 75% der Endenergie aus Erneuerbaren Ressourcen ein, die beim Endverbraucher genutzt wird. Führend sind dabei die Bereiche der Kraftstoffnutzung (Biokraftstoffe) und der Wärmeenergie (z.B. Biomassenheizwerke). Weniger entwickelt ist dagegen noch die Gewinnung von elektrischer Energie aus Biomasse. Hier liegt der Anteil bei rund einem Drittel des derzeitigen bundesdeutschen Verbrauchs.

Die Nutzung von Biomasse als Energieträger wird sicherlich auch in der Zukunft ein wichtigen Baustein auf dem Weg hin zur vollständigen Versorgung der Bevölkerung mit Erneuerbaren Energien sein. Sie bietet viele Vorteile gegenüber den fossilen Energieträgern und der Kernenergie.

Die Energiegewinnung aus Biomasse ersetzt, wie die anderen alternativen Energien natürlich auch, die immer knapper werdenden fossilen Brennstoffe. Außerdem wird dabei nur der laufende
biologische Kreislauf genutzt, so dass
nicht  mehr Kohlendioxid freigesetzt, als zuvor von den Pflanzen aufgenommen wurde. Bei der Nutzung von fossilen Energieträgern werden dagegen gebundene Kohlendioxide freigesetzt,
wieder zugeführt und die damit verbundenen
negativen Folgen auf die Umwelt bewirkt.

Biomasse ist vielseitig und kann sowohl in festem, flüssigem oder auch gasförmigem Aggregatzustand als Energieträger genutzt werden. Sie kann zur Erzeugung von Wärme, Strom eingesetzt oder auch zu Antriebszwecken dienen. Insofern bietet sie das weiteste Einsatzspektrum aller alternativen Energieformen.

Das Energieangebot aus Biomasse ist nicht von schwankenden Winden und Sonneneinstrahlung abhängig. Auch eine Speicherung ist weniger problematisch, da die Energie in der biologischen Rohstoffform gebunden ist und auf diese Weise wie ein normales Mengengut abrufbereit gelagert werden kann.

Die Ablösung der Kernenergie mit all ihren unkalkulierbaren Risiken und der bisher nicht gelösten Entsorgungsproblematik kann weiter vorangetrieben werden.

Neben diesen Vorteilen, gibt es jedoch auch Risiken, die ebenfalls nicht unerwähnt bleiben dürfen.

Durch den weltweit weiter steigenden Bedarf an Energie und den angestrebten Ersatz der bisherigen klassischen Energieerzeugungsarten wirkt sich notwendigerweise ein immer größer werdender Nachfragedruck auf die Produktion von Biomasse aus. Damit tritt immer mehr die aktive Produktion von sogenannten Energiepflanzen in den Vordergrund. Das birgt zweierlei unmittelbare negative Auswirkungen in sich. Die benötigten Ackerflächen müssen, falls bereits vorhanden, aus der Nahrungsmittelproduktion entnommen oder, falls nicht vorhanden, den natürliche Ökosystemen entzogen werden. Dadurch ergibt sich eine Konkurrenzsituation zur Nahrungsmittelherstellung und auch zum Schutz natürlicher Ökosysteme. Mittlerweile werden in Deutschland bereits rund 12% des vorhandenen Ackerlandes zur Produktion von Agrartreibstoffen genutzt. Das gesamte Herstellungs- und Umsetzungssystem emittiert in seiner jetzigen Form mehr Treibhausgase als die entsprechende Aufbereitung fossiler Kraftstoffe.

Ein weiterer mittelbarer Negativpunkt ist die Auswirkung auf die weltweiten Preise von Nahrungsmitteln, da die Hauptenergiepflanzen auch zu den wichtigsten Rohstoffen für die Herstellung von Grundnahrungsmittel zählen. Gerade die Mais- und Weizenpreise steigen aufgrund der Verknappung des Angebotes für den Nahrungsmittelsektor und der sich weiter erhöhenden Nachfrage der Bio-Treibstoffhersteller stark an. Das trifft besonders die ärmeren Länder empfindlich und bewirkt dort die Ausbreitung von Hunger.

Weitere Informationen gibt es unter:

Dörthe Gromes, Der älteste Energieträger, Regjo, Das Magazin für Mitteldeutschland, S. 22-25

Ökosystem Erde: http://www.oekosystem-erde.de/html/bioenergie.html

Deutsches Biomasseforschungszentrum (DBFZ):