5. Fachforum IP Dialog in Frankfurt am Main 16.03.2005

Bauen seine Würde zurückgeben: Innovative Finanzierungskonzepte und nachhaltiges Bauen in Krankenhäusern

Annähernd 100 Interessenten, vornehmlich Planungsfachleute, Architekten, Ingenieure kommunale Bau- und Umweltexperten, Gebäudetechniker und Berater, waren am 16. März zum TIP Dialog, einem Fachforum für innovatives, integriertes Planen und Bauen, in die Frankfurter Niederlassung der Siemens AG, gekommen.

Eingeladen hatte das Netzwerk ip-building mit Förderung durch das TIP-Team der Siemens AG sowie Unterstützung durch das Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main.

Bei dem zum fünften Mal in Frankfurt stattfindenden offenen, praxisnahen Dialog von der an der Planung und an der Errichtung beteiligten Fachleuten konnten unterschiedliche Sichtweisen und konkrete Beispiele integrierter Planung und nachhaltigen Bauens bei Krankenhäusern sowie innovative Finanzierungskonzepte des nachhaltigen Bauens kennen gelernt werden.

Umweltdezernentin Jutta Ebeling freute sich über den Erfolg der vor fast zwei Jahren gegründeten Initiative, zu deren Gründungspartnern das Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main zählt. Immer mehr Investoren, Architekten und anderen am Bau Beteiligte leuchte insbesondere durch solche Konferenzen und Beratungsgespräche ein, dass nachhaltiges Bauen enorme Einsparpotentiale berge. Damit sei das Vermittlungsziel der Initiatoren aufgegangen: ökonomische und ökologische Interessen schließen sich nicht aus, sondern sind Zwillinge.

Eindrucksvoll belegte dies Mechthild Zumbusch vom BUND Berlin e.V.BUND in ihrem Referat über Energieeffizienz und Klimaschutz im Krankenhaus . Nach unabhängigen Erhebungen könnten die Krankenhäuser bundesweit ca. 600 Millionen Euro an Energiekosten einsparen und dabei jährlich 6 Millionen Tonnen umweltschädliches Kohlendioxid vermeiden. Die Auszeichnung BUND Gütesiegel Energie sparendes Krankenhaus für besonderes Engagement zu Energieeinsparung und Klimaschutz in Gesundheitsbauten, hätten bisher vor allem in konfessioneller Trägerschaft befindliche Krankenhäuser erhalten. Mit verwirklichten CO 2-Reduzierungen um 25 %, einer kontinuierlichen Verringerung des Energieverbrauchs bzw. eines aufgebauten Energiemanagements bewiesen solche Häuser ihre Verantwortung gegenüber Mensch und Natur.

Um neue Chancen und ein Umdenken beim „Patient Krankenhaus“ ging es auch in dem faszinierenden Vortrag von Prof. Christine Nickl-Weller von der TU Berlin. Der von ihr propagierte neue Krankenhaus-Typ eines Gesundheitssupermarkts offenbarte sich beim Projekt Agatharied im Voralpengebiet. Assoziationen zum Sanatorium Berghof aus Thomas Manns Zauberberg zulassend, ähnelt es eher einem liebgewonnen Feriendomizil statt einem Krankenhaus. Es erfüllt alle Anforderungen, die Nickl-Weller an ein zukunftsfähiges Krankenhaus stellt: Lebensqualität statt anonymer Fabrik, die schon beim Betreten krank macht, modulare Grundrissanordnungen, Optimierung der Technik, gute Erreichbarkeit sowie größtmögliche Individualität bei optimaler Konzentration der Betriebsstellen. Gesundheit ist, was uns Freiheit gibt, meint Nickl-Weller. Auch im zweiten vorgestellten Projekt der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf ist die Nachhaltigkeit des Gebäudes in der Möglichkeit unterschiedlichster Nutzungsarten vorgedacht. Die Bettenhäuser ähneln den Gesetzmäßigkeiten von Hotels und könnten als solche betrieben werden. Architektur kann und muss einer technisch wissenschaftlichen Doktrin humanisieren und dem Bau seine Würde zurückgeben. Bleibt zu hoffen, dass ein paar dieser Ansätze auch bei der Sanierung des Frankfurter Universitätsklinikums einfließen, bei der das Nickl-Wellersche Architekturbüro beteiligt ist.

In den Vorträgen von Jutta Bukotas, Leiterin Investitionscontrolling der Stadt Frankfurt, sowie Juan Carlos Klug von Drees & Sommer ging es schließlich um Erfahrungen mit Public Private Partnerships am Beispiel des Bildungszentrums Ostend . Nach dem von der Stadt EU- weit ausgeschriebenen partnerschaftlichen Projekt ging es um die räumliche Zusammenfassung mehrerer bestehender Bildungseinrichtungen in einem multifunktionalen Bildungszentrum, um neben räumlichen und organisatorischen, vor allem betriebswirtschaftliche Synergieeffekte zu erzielen und so Einsparungen gegenüber heutigen Gebäudekosten zu erreichen.

Die zwei Bauabschnitte von je 2.000 und 7.000 m² Grundstücksfläche wurden von der Stadt an die Theo Grundstücksgesellschaft zur Bebauung und Finanzierung übergeben mit der Maßgabe, die Bauten der Stadt zur Miete über eine Laufzeit von 20 Jahren als Finanzierungsleistung rückzuüberlassen. Kluge von Drees & Sommer, der das Management und Controlling leistete und als Moderator zwischen der Stadtkämmerei, dem Investor und der Projektgesellschaft sowie dem Schulamt und den Nutzern fungierte, beschrieb die Ergebnisse der öffentlich-privaten Kooperation ebenso wie seine Ansprechpartnerin in der Stadt Bukotas als äußerst zufriedenstellend für beide Seiten. Vorgeschriebene Zeiten sowie Kosteneinsparungen wurden erfüllt, Nutzerwünsche im Projektverlauf integriert sowie die Qualität des Gebäudes sichergestellt. Das Bildungszentrum Ostend sei ein erfolgreiches Beispiel für eine gelungene Public Private Partnership: über Kommunikation gelangt man zu Vertrauen, zu Partnerschaft, fasst Kluge zusammen.

In den sich an die Vorträge anschließenden Posterdiskussionen bot sich den Teilnehmern die Gelegenheit, die vorgetragenen Themen mit den Referenten in offener, kleiner Runde zu diskutieren und weiter zu vertiefen. Ergänzend standen Paul Fay vom Energiereferat der Stadt Frankfurt am Main für Fragen zu Klimaschutz im Gesundheitssektor mit Kraft-Wärme-Kopplung, von der Siemens AG Bernhard Eirich zu Energieeinsparcontracting als innovatives Finanzierungsmodell, Reinhold Greil zu Siemens im Gesundheitswesen, sowie Heino Pirck zu Forum , Planung und Medizintechnik zur Verfügung. Der Marktplatz der Ideen, Konzepte und neuen Ansätze wurde von den Teilnehmern als belebendes Angebot intensiv wahrgenommen. Besonders bei den Postern von Prof. Nickl-Weller sowie Bernhard Eirich entspannen sich anregende Diskussionen, selbst Gäste aus Moskau fanden sich ein.
Das schon auf einer Konferenz zu Städtischer Biosphäre und Gesellschaft von der UNESCO ausgezeichnete Frankfurter Modell scheint immer mehr zum Exportschlager zu werden. Analoge Veranstaltungen sollen demnächst in russischen Großstädten folgen.

Das nächste TIP Dialogforum findet am 26.04.2005 in Stuttgart statt.

Autor: Winter