Herausforderung „Klimawandel“: Stadt Leipzig über Bürgerumfrage, Reduzierung des CO₂-Ausstoßes und Klimaschutz

KHKEine kommunale Bürgerumfrage der Stadt Leipzig zum Thema „Klimawandel als Herausforderung“ – Deutschlands erste kommunale Bürgerumfrage dazu – ergab, dass die Leipziger gut über Auswirkungen und Ursachen des Klimawandels informiert sind. Sie wollten unter anderem wissen, welchen Stellenwert der Klimawandel für sie habe.
Damit möchte sich die Stadtverwaltung den laufenden und kommenden Herausforderungen stellen.

[ PM Stadt Leipzig ] Klimawandel als Herausforderung: Bürgerumfrage, Reduzierung des
CO₂-Ausstoßes und Klimaschutz

Die Leipzigerinnen und Leipziger sind grundsätzlich gut informiert über
Auswirkungen und Ursachen des Klimawandels. Das ergab eine kommunale
Bürgerumfrage, deren Ergebnisse heute (30. Juli) von Umweltbürgermeister
Heiko Rosenthal gemeinsam mit der Leiterin des Amtes für Umweltschutz,
Angelika Freifrau von Fritsch, und Dr. Andrea Schultz, Abteilungsleiterin
Stadtforschung im Amt für Statistik und Wahlen, vorgestellt wurde. Die
Stadtverwaltung hatte wissen wollen, welchen Stellenwert der Klimawandel
für die Leipzigerinnen und Leipziger hat und in welchem Maße sie bereit
sind, sich in ihrem Verhalten darauf einzustellen. Antworten auf diese und
andere damit verbundene Fragen sind wichtig für die Bemühungen der
Stadtverwaltung, sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen.
Deshalb hat Leipzig als erste Kommune in Deutschland dieses Thema zum
Gegenstand einer Bürgerumfrage gemacht.

Insgesamt 5.091 Fragebögen waren vor einem Jahr versandt worden ‒ 3.000 an
zufällig ausgewählte Haushalte, der Rest an Bewohnerinnen und Bewohner des
Kolonnadenviertels und der Südvorstadt. Erbeten waren u. a. Auskünfte zum
Hitzeempfinden, zum Verhalten bei Hitze oder zu möglichen gesundheitlichen
Problemen durch klimawandelbedingte Temperaturerhöhungen. Weitere Themen
waren die Ausbreitung gesundheitsgefährdender nicht einheimischer Tier- und
Pflanzenarten, Extremwetterereignisse, Wissen und Meinungen zum Klimawandel
sowie die Bereitschaft um Mithilfe durch die Bürgerschaft und
Verhaltensänderungen. Insgesamt 50 Prozent der Angeschriebenen antworteten
auf die Fragen. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

64 Prozent meinen, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht
wurde, und 53 Prozent geben an, dass der Klimawandel Auswirkungen auf ihr
Leben haben wird. 77 Prozent der Befragten sagen, zugunsten der Umwelt und
des Klimas sollte die Lebensweise umweltfreundlicher gestaltet werden, bei
den 18- bis 34-jährigen sind dies sogar 87 Prozent. 61 Prozent geben an,
auf jeden Fall saisonale bzw. regionale Produkte zu kaufen und Strom zu
sparen. 41 Prozent wollen weniger fliegen und den Fleischkonsum reduzieren,
37 Prozent mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen und 36 Prozent weniger
heizen. 27 Prozent können sich vorstellen, mittels einer App die besonders
stark allergieauslösende invasive Pflanzenart Ambrosia zu melden. 15
Prozent wären bereit, ehrenamtlich als Trinkpaten zu wirken, d. h. sich bei
Hitze darum zu kümmern, dass ältere Menschen ausreichend Flüssigkeit zu
sich nehmen.

Die Gesundheitsrisiken und richtigen Verhaltensweisen bei Hitze sind
größtenteils bekannt. Belastend wird die Hitze vor allem in der Innenstadt,
in Bussen und Straßenbahnen sowie am Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz
empfunden. Vor allem die 18- bis 34-jährigen empfinden Temperaturen über 30
Grad als Belastung. Die Einführung eines „Hitzetelefons“ halten 46 Prozent
für sinnvoll.

Nicht alle Straßenbahnen und Busse haben eine Klimaanlage und stoßen bei heißen Temperaturen auf Ärgernis der Fahrgäste. Foto: Dave Tarassow / IP-Seminars
Nicht alle Straßenbahnen und Busse haben eine Klimaanlage und stoßen bei heißen Temperaturen auf Ärgernis der Fahrgäste.
Fotos: Dave Tarassow, IP-Seminars

50 Prozent der Befragten geben an, bereits Sachschäden durch Hagel,
Extremniederschläge, Sturm oder Hochwasser erlitten zu haben. 30 Prozent
haben über persönliche Vorkehrungen für einen Katastrophenfall nachgedacht,
aber nur zwei Prozent kennen den Ratgeber des Bundesamtes für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge für Notfallvorsorge und
richtiges Handeln in Notsituationen.

Energie und Klimaschutz

Ebenfalls vorgestellt wurde heute der erste Umsetzungsbericht zum Energie-
und Klimaschutz (für die Jahre 2011 bis 2013). Danach konnten die CO2
-Emissionen in Leipzig von 11,32 t pro Einwohner im Jahre 1990 auf 6,61 t
im Jahre 2011 reduziert werden. Die Energie-und CO2-Bilanz der Stadt
Leipzig wird ab dem Bilanzjahr 2011 verursacherabhängig nach der
offiziellen Methodik des Klima-Bündnis e. V. berechnet. Berücksichtigt
werden die durch die Einwohner und Unternehmen Leipzigs konsumierte
Energie. Im Bereich Verkehr wird dabei auch andernorts verbrauchter
Treibstoff berücksichtigt (z. B. bei Flugreisen). Mit dieser Methodik, die
über 1.000 deutsche Kommunen nutzen, erhöht die Stadt Leipzig die
Akzeptanz, Transparenz und auch Vergleichbarkeit ihrer Bilanzierung nach
außen und innen.

Die Stadtverwaltung spielt eine wesentliche Vorbildrolle zur Senkung von CO
2-Emissionen. Die Hälfte ihres Stromverbrauchs inklusive kommunaler Schulen
und Kitas stammt daher seit 2012 aus erneuerbaren Quellen. Das bedeutet
eine jährliche CO2-Einsparung von rund 16.500 t. Auch Aktionen wie das
Stadtradeln, an dem neben der Stadt zahlreiche Vereine, Einrichtungen und
Unternehmen beteiligt sind, schaffen nicht nur Bewusstsein, sondern mindern
den CO2-Ausstoß. 2015 beträgt die Einsparung während des dreiwöchigen
Kampagnenzeitraums etwa 153 t.

Inzwischen gibt es eine Reihe guter Beispiele zum schonenden Umgang mit
Energie und damit auch zum Klimaschutz. Sie reichen von baulichen Maßnahmen
bis zum Carsharing. Ein prominentes Beispiel ist die 2011 bis 2013 als
Passivhaus-Neubau errichtete Erich-Kästner-Grundschule in Gohlis. Neben
einer zentralen Wärmeversorgung wird die Schule inklusive Sporthalle durch
eine Solarthermieanlage und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
betrieben. Der Energieeinsatz ist dabei minimal. Ein weiteres
Praxisbeispiel ist die Schüler-AG „Photovoltaik“ am Gustav-Hertz-Gymnasium.
Die von der Arbeitsgruppe mitentwickelte, auf dem Schuldach installierte
Bürgersolaranlage liefert seit dem 30. März 2013 Strom. Ein Display im
Eingangsbereich des Gymnasiums zeigt den erzeugten Strom und die
eingesparten CO2-Emissionen für alle sichtbar an. Die Schule beteiligt sich
damit als erste Leipziger Bildungseinrichtung am „Klimaschutzschulenatlas“
Deutschland.

Eine bedeutende städtische Initiative war das Modellprojekt „Intelligentes
Stadtlicht“ (2010 bis 2013) im Rahmen der energetischen Sanierung der
Straßenbeleuchtung in der Innenstadt. Ziel des Projektes war es, eine
Verbesserung der Lichtqualität und eine gleichzeitige Reduzierung des
Energiebedarfes zu erreichen. Damit erhielt die Stadt Leipzig eine neu
gestaltete und energieeffizientere Verkehrsbeleuchtung. Die Beleuchtung des
Innenstadtrings wird nun verkehrsabhängig gesteuert, die Gesamtleuchtenzahl
ist reduziert, die Lichtpunkthöhe von 16 auf 14 Meter gesenkt und die alten
Natrium-Dampfhochdrucklampen sind durch sparsamere Metallhalogendampflampen
ersetzt worden. Im Stadtzentrum wurden 360 Schinkelleuchten mit
LED-Leuchten ausgestattet, was den Stromverbrauch der historischen Leuchten
dauerhaft um mehr als die Hälfte reduziert.

Weitere Informationen zum Klimaschutz in Leipzig sind zu finden unter
www.leipzig.de/klimaschutz