Das öffentliche Bauen im Fokus der Zukunftsfähigkeit

drhansjuergenpritz_20070816Um die Ziele des Hochbauamtes der Stadt Frankfurt am Main genau zu definieren, beschäftigt sich der leitende Baudirektor Dr. Hans Jürgen Pritzl in dem folgenden Beitrag mit dem Erhalt traditionsbewusster Baukultur im öffentlichen Bereich und steckt vor diesem Hintergrund beispielhaft die Bauziele sowie Umsetzungen ab…

Das Hochbauamt Frankfurt versteht sich als moderne und leistungsfähige Bauorganisation für nachhaltiges und kostengünstiges Bauen mit hoch qualifizierten MitarbeiterInnen für alle Fachdisziplinen des Bauens. Neben eigener Planung, Bauleitung und Projektsteuerung arbeitet das Hochbauamt mit freischaffenden Architekten und Ingenieuren zusammen. Neu-, Umbau und Erweiterungsmaßnahmen, einschließlich betriebstechnischer Anlagen und Tragwerke, gehören zu den Leistungen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit ist das Bauen im Bestand.

Im Rahmen des technischen Gebäudemanagements betreut das Hochbauamt mit 180 Mitarbeitern einen Bestand von ca. 3.300 Gebäuden im Auftrag der verantwortlichen Bauherrendezernate. Das Volumen der Bauaufgaben setzt sich aus 50% Schulbau und 50%  Sport , Kultur , Sozialem , Liegenschaften , etc. zusammen. Ziel ist es mit den öffentlichen Bauten für die Stadt Frankfurt ein hohes Niveau zeitgemäßer und traditionsbewusster Baukultur zu pflegen. Aspekte der Wirtschaftlichkeit, Termingenauigkeit, Nachhaltigkeit, Schaffung und Einhaltung moderner Qualitätsstandards und Kundenzufriedenheit sind Maßstab für die Arbeit des Hochbauamtes.

Im Rahmen der knapper werdenden Haushaltsmittel werden für durchgeführte Maßnahmen im Bereich des Hochbauamtes detaillierte Wirtschaftlichkeitsnachweise erbracht. Dabei kann es nicht Ziel sein, einzig die Investitionskosten zu minimieren und dabei hohe Folgekosten in der Zukunft in Kauf zu nehmen. Vielmehr müssen sämtliche Kosten während Bau und Betrieb eines Gebäudes über die gesamte Nutzungsdauer inklusive Ansätze für die Umweltfolgekosten in der Berechnung enthalten sein. Um einem solchen integralen Ansatz bei der Planung und Gebäudebetreuung zu folgen, sind in der neuen Hochbauamtsstruktur zum einen der Projekt und der Objektbereich zusammengefasst,  zum anderen der Hochbau und die Haustechnik und der Servicebereich (Bauunterhaltung). Bei der Planung und beim Bau kommunaler Gebäude durch das Hochbauamt werden energetische Standards zugrunde gelegt, die zum Teil über die gesetzlichen Anforderungen der Energiesparverordnung hinausgehen.

Ziel der technischen Standards ist es, bei Neubau, Unterhaltung und Betrieb von städtischen Gebäuden die Gesamtkosten (Summe aus Investitionskosten, Betriebskosten und Folgekosten) bei gegebener Nutzungsqualität zu minimieren. Daher kann von den Standards abgewichen werden, wenn nachgewiesen wird, dass die vorgeschlagene Lösung zu geringeren Gesamtkosten führt. Für alle Neu- und Erweiterungsbauten soll der Niedrigenergiestandard erfüllt werden.  Das heißt, der spezifische Primärenergiebedarf und der spezifische Transmissionswärmeverlust betragen jeweils maximal 70% der Werte nach der Energiesparverordnung (EnEV minus 30%). Die Einsparung von Betriebskosten pro Jahr beträgt ca. 2 Mio. Euro, mit einer Reduktion von 30% gegenüber 1990.

Ein Beispiel ist der Bau der ersten Passivhausschule, der mit dem Greenlight-Award 2006 der Europäischen Kommission für das innovative Beleuchtungskonzept ausgezeichnet wurde. Die Einhaltung der Standards wird durch eine Qualitätssicherung des Planungsprozesses durch die Abteilung Energiemanagement sichergestellt. So wurde z.B. für die Hafenbetriebe ein Bürogebäude gebaut, das mit einem Heizenergiebedarf von 35 kWh/m2 auskommt und damit den Niedrigenergiestandard deutlich unterschreitet. Direkt am Hafenbecken wurde auf einem Grundstück an der Lindleystrasse ein siebengeschossiges Bürogebäude als Solitär mit 550 qm Grundfläche errichtet. Bedingt durch die exponierte Lage direkt an der Hafenmole und verbunden mit der örtlichen Situation, der engen Sichtbeziehung zum Wasser und den alten Hafenflächen, wurde in der Gebäudekonzeption die Transparenz und Offenheit zum Ausdruck gebracht. Durch die Nutzung der Betonkernaktivierung als Heizungstechnik konnte auf den Einbau von Heizkörpern verzichtet werden: ein zusätzlicher ästhetischer Gewinn bei der transparenten Fassadengestaltung. Die Fassade wurde als vorgehängte Fertigteilfassade mit hochwärmedämmender Verglasung geplant. Die Betonkernaktivierung nutzt die Gebäudespeichermasse für die Temperierung der Raumluft – ihr Vorteil gegenüber anderen Heizungs- und Klimatisierungssystemen ist der deutlich geringere Energieverbrauch bei gleichzeitig geringeren Investitionskosten.

Dr. Hans Jürgen Pritzl
Leitender Baudirektor
Leiter Hochbauamt Stadt Frankfurt am Main