Where is LIGHT ?

[ Text : Alfred Fuhr Frankfurt / Main ] Und damit kann die Woche losgehen. Frankfurt in Weiß, mit Resten von Schnee, luminesziert von der „Luminale“ und mit der Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik. Fangen wir an mit einem Rückblick auf die am Sonntag gestartete Messe „Light + Building“, die alle zwei Jahre stattfindet. Als Kurator digitaler Inhalte für IP-Building habe ich mir die Neuheiten für Haus, Hof, Garten, Villa und Industriebeleuchtung angesehen. Gestern durfte ich – auf Einladung von MOZAIC via Xing, danke liebe Frau Norma Rae, als Gast der Deutschen Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit ( DGWZ ) an einer Messeführung für Planer teilnehmen, ausgewiesen durch meine Mitarbeit bei Bauprojekten und als Zielkundenfinder für zukunftsfähige Produkte.

Eine excellente Führung über diese XXXL Messe . Warum ?
Zunächst bekommt man ein Sennheiser Headset, stellt dann den richtigen Kanal (8) ein und schon hört man, was der Führer, oder die Marketing Abteilung des zu besuchenden Herstellers sagt, auch wenn man ihn nicht sieht. Was ins Mikrofon gesagt wird, ist angenehm, gut verständlich zu hören, auch wenn an dem Stand plötzlich laute Musik einsetzt oder auch nur das auf Messen übliche Grundrauschen vorherrscht.
Man kann auch nicht mehr verloren gehen, denn vorne ist ein DGWZ-PLANER-FÜHRUNG-Schild, das von einer zügig voranmarschierenden Person hochgehalten wird, und hinten folgt eine Verantwortliche, die darauf achtet, dass niemand zurückbleibt, ebenfalls mit dem Schild ausgerüstet, so dass man Vorhut und Nachhut gut erkennen kann. Vorteil: Die Gruppe von 20 Leuten findet sich auch im dichtesten Gedränge wieder, auch bei Nadelöhren, z.B. bei Türen, die nur einflügelig geöffnet sind, obwohl es zwei Flügel gibt, oder auf dem dichten Menschengewühle auf dem Weg oder am Stand – man bleibt zusammen.

Warum ist das zusätzlich zum Gruppenerlebnis mit Führung aber noch gut?

Um es kurz zu machen: Wegen der guten und repräsentativen Auswahl. Chapeau DGWZ, denn für eine Führung über diese Messe reicht es, zu 8 gut ausgewählten Ausstellern zu gehen! Man sieht, was die Hersteller sich ausgedacht haben, um uns in den eigenen vier Wänden in der Etagenwohnung oder in der Villa mit Licht, Elektronik und Automation (SMART is the new Safe) so richtig wunschlos glücklich zu machen. Denn es gibt Standards, wie KNX, ganz sicher. Und es funktioniert, weil sich Hersteller auf dieses System als Industriestandard einigen konnten.

Das große Thema ist die smarte Überwachung und Steuerung der Vitalfunktionen des ganzen Hauses: Es beginnt außen mit dem Einbruchschutz, der Zugangskontrolle; wir besuchten dazu AXIS Communications. Egal ob Radarsensor oder Whole Area Video Kamera oder Wärmebilder, es entgeht dem System kein Intruder, kein Einbrecher, mehr. Ihr habt keine Chance. Das Gegenstück dazu ist die freundliche Begrüßung für Mitarbeiter, wenn diese die Zugangssperre im Büro mittels Karte oder einer anderen Authentifizierung hinter sich haben.

Wie man es dem DHL-Boten leichter macht, das Zalando-Päckchen bei Abwesenheit des Adressaten zu liefern, das lernten wir  bei TCS : Er bekommt einen Code, und dann geht der Einwurfschlitz auf, oder die von außen „ohne sichtbare Schrauben“ in einer Stele integriert angebrachte Aufbewahrungsmöglichkeit für die Bewohner eines gut ausgestatteten Hauses geht auf. Ähnliches  versprechen GIRA-Lösungen.

Bei einem Hersteller aus Radevormwald gibt es neue entzückende Schalter, die bis zu 300 Funktionen in sich tragen, aber auch auf Putz montiert aussehen wie ein Retro-Lichtschalter aus den Fünfzigern. Außerdem hat man dort die technische Grundlage, sozusagen eine ÜBER-App entwickelt, die es Alexa und den vielen anderen mittels eigener App gesteuerten elektronischen Helferlein ermöglicht, zusammenzuarbeiten. Die Heizung wird so geregelt, dass sie schon beim Eintreffen des Hausherrn die richtige Temperatur generiert hat. Der Hausherr wird selbstverständlich elektronisch vom Haus erkannt. Ist er dann angekommen, wird das Licht gedimmt, der Elektroautoladestationsassistent eingeschaltet, der Fernsehsessel ausgefahren und die Lieblingsmusik gespielt. Das Ganze gibt es in drei Varianten, für die Etagenwohnung, die Villa und den Industriebetrieb. Der Preis richtet sich nach der Quadratmeterzahl und ist nach oben offen.

Die Frage „Was kann man mit Licht noch machen, außer es hell werden lassen“,

wird bei Glamox beantwortet, einem norwegischen Hidden Champion, Weltmarktführer für robuste salzwasserresistente Lösungen für die Beleuchtung auf See, anbietet. Die dort designte Tischleuchte hat durch einen Kinofilm von Pixar Studios Starruhm erlangt. Auf Wunsch seiner Kunden hat der Hersteller nun eine Pendelleuchte entwickelt. Doch nicht nur das, dort denkt man vor und entwickelt eine Technologie, für die es eigentlich noch keine Anwendung gibt. Ein innovativer Höhepunkt von „Human Centric Lighting“: Warum nicht das Licht-Einschalten und Dimmen als Fitnesstraining nutzen? Wenn es z.B. durch rhythmische Bewegungen, mit den Armen oder durch Beckenbodengymnastik heller oder auch dunkler, oder farbiger wird? Durch eine von diesem Hersteller aus dem kühlen Nordeuropa entwickelte Lichtsteuerung wird es aber auch möglich, dementen Menschen, die kein Zeitgefühl mehr haben, durch Simulation von Abendrot oder Dämmerung klar zu machen, dass jetzt Abend ist. Die erwähnte Körper- und Gestensteuerung wird von zwei sporadisch ekstatisch tanzenden Frauen in einer Glasbox vorgeführt. Es wäre sicher besser gewesen, hier auch einen Tänzer zu engagieren, denn die „Light + Building“-Szene, die dort auf der Messe ihre Neuheiten vorführt, ist vorwiegend weiblich, was uns zu einer weiteren Erkenntnis des kurzen Rundganges führt: Während die Marketing-Männer sich z.B. vor Begeisterung für das eigene Produkt zur Brandschutzbekämpfung oder der problemlosen Nachverlegung von Leitungen, bei OBO BETTERMANN meist nicht an die vorher verabredete Zeit hielten, gelang das den Fachfrauen, z.B. der Softwarefirma ORCA, sehr gut.

Sehen sie einfach mal unter http://www.ausschreiben.de nach, auf den Punkt. Mein persönliches Highlight fand ich auf dem letzten von uns besuchten Stand: Eine “Out of the LTS box” Präsentation von Licht im Office-Bereich. Blendfrei und in einer Fensterform integriert, so dass Tageslicht reinkommt, aber der neugierige Blick wird durch die milchig-hauchdünne Verglasung abgewehrt. Man kann auch eine Lichtskulptur entstehen lassen, die das Büro einmalig macht. Die Tochter der schwedischen Fagerhult-Gruppe aus Tettnang überrascht mit neuen Strahlern, und dort kann man sehen, wie man einen Fußball göttlich erstrahlen lassen kann, ohne dass es kitschig wird. Alles was es grundsätzlich zu Smart Home und Building Information zu wissen und zu verstehen gibt, das lernten wir auf dem Stand von Schneider Electric – dort werden alle drei Ebenen, die man im Haus automatisieren und steuern muss, auf einem Monitor erklärt.

Anschließend nahm ich noch an der Verleihung des Award für Architektur und Design teil, der von einer Leuchten-Fachzeitschrift für die innovativsten Beleuchtungsideen ausgelobt wird. Viele gingen leer aus, z.B. diese Einbauleuchte Karee, angeboten von dem Spezialleuchtenhersteller AS-LED aus Penzberg angeboten wird. Die innovative Idee: Schalldämpfendes Einlegematerial zu benutzen, z.B. grüne Moose. Ansonsten gibt es dort Licht in unverwüstlichen Gehäusen für Hardcore-Einsätze bei der Beleuchtung von Sandstrahl Arbeitsplätzen, oder selbst die Beleuchtung der Gebäude auf der kalten Zugspitze …

Bevor ich meinen Tag auf der Messe beendete, durfte ich den schönsten aller dort vorhandenen Stände entdecken:  Italian Light – gebaut wie ein Kino, das an das Cinema Paradiso aus einem meiner Lieblingsfilme erinnert. Er erzählt die Geschichte von Alfredo, dem Filmvorführer in einem italienischen Dorf.  Schwarzweiss – Retrofure … Dort, in der Halle 3, sollte man den Messebesuch beginnen.